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Medienwelten 2000 - Interview mit Dörthe Bührmann

Medienwelten 2000....heißt die Veranstaltungsreihe, die der "offene kanal oldenburg" (ok ol) von Oktober 1999 bis März 2000 durchführen wird. DIABOLO sprach mit Dörthe Bührmann, Leiterin des ok, über das Programm, die Rolle der Bürgermedien und einen Künstler, der Fernsehbilder aufs Papier bringt


DIABOLO:
Wie ist die Idee zu dieser Veranstaltungsreihe entstanden?

Dörthe Bührmann:


Impulsgeber für diese Vortragsreihe war der ok. Thomas Kleinspehn vom Vorstand und ich haben uns mit Jens Thiele, Medienwissenschaftler an der Uni, zusammengesetzt und grundsätzlich erst einmal festgestellt, daß es einen kritischen, aufgeklärten Mediendiskurs nicht gibt. Es gibt einmal diesen Negativansatz, der sich lange gehalten hat, auch in der pädagogischen Welt: Medien verbreiten nur Gewalt und Horror und Kinder sind vor Medien zu schützen. Die andere Seite ist gekennzeichnet durch Medieneuphorie zu den neuen Entwicklungen wie dem Internet. Dazwischen existiert kein Diskussionsrahmen, der Leuten Orientierung und Einordnung ermöglicht. Dies wollen wir mit unserer Veranstaltungsreihe ein Stück weit leisten.


DIABOLO:
Der ok ist selbst Teil dieser Medienwelt. Warum ruft gerade er eine solche Veranstaltungsreihe ins Leben?

Dörthe Bührmann:
Ich denke der ok hat ein großes Interesse, eine kritische Mediendiskussion aufzuwerfen, denn wir sind eine Einrichtung, wo es darum geht, die Medien aktiv zu nutzen und zu gestalten. Dem gesamten Veranstaltungsrahmen liegt die Folie 'Bürgermedien' zugrunde. Und die Frage, die sich uns stellt, ist: In wieweit können wir als Medien von unten, dieser ganzen Informationsgesellschaft mit ihren Fluten von Bildern, Tönen und Datenmengen etwas entgegensetzen. Selbstgestaltete Beiträge als Gegenmoment über die Bürgermedien zu verbreiten, funktioniert das überhaupt? Wir sehen die Möglichkeit, über solch einen Diskussionszusammenhang den ok auch als Medienforum sichtbarer zu machen.

DIABOLO:
Aus welchen Teilen ist die Reihe zusammengesetzt?

Dörthe Bührmann:
Ein wichtiger Bestandteil werden Gastvorträge sein. Dort werden bestimmte Fragestellungen aufgeworfen und daran soll dann eine Diskussion anknüpfen. Die zweite Ebene der Reihe sind Diskussionsforen, in denen hauptsächlich Leute aus Oldenburg, die sich hier mit Medien auseinandergesetzt haben oder in Medienorganisationen stecken, sich zur Diskussion stellen. Dies wird sehr an der Praxis orientiert sein. Zum Beispiel wird ein Forum die Geschichte der Medienwerkstätten und die Motivation aus welcher sich diese Einrichtungen bildeten, zum Thema haben. Auch wird begleitend vom Casablanca-Kino und dem Kinderkino Roter Strumpf eine Filmreihe zusammengestellt.

DIABOLO:
Außer mit dem Casablanca und dem Kinderkino kooperiert der ok noch mit dem Fachbereich Kunst der Universität, dem Kulturamt der Stadt, der Niedersächsischen Landesmedienanstalt und dem Landesverband Bürgermedien. Warum diese breitgefächerte Zusammenarbeit?

Dörthe Bührmann:
Uns ist es wichtig, daß es ein Kooperationsprojekt ist, weil wir damit ein Signal setzen wollen. Die Medienentwicklung ist eine hochgradig gesellschaftsrelevante Frage und daher setzen wir mit der Reihe auf das Zusammenspiel möglichst vieler Einrichtungen. Mit der Zusammenarbeit mit der Landesmedienanstalt und dem Landesverband Bürgermedien wollen wir zeigen, daß wir eine Reihe anbieten, die nicht nur Oldenburg-spezifisch, sondern niedersachsenweit interessant ist. Daß es ein großes Kooperationsprojekt ist, wird sich auch räumlich niederschlagen. Es gibt unterschiedliche Veranstaltungsorte vom ok, Omniplex-Kino, PFL, ehemaliger Landtag, Uni bis hin zum Weltladen.

DIABOLO:
Neben Vorträgen und Diskussionsforen ist auch eine Ausstellung Teil des Programms. Was wird dort zu sehen sein?

Dörthe Bührmann:
Es gibt einen Künstler in Oldenburg, Theo Haasche, der schaut Fernsehen und zeichnet mit, was er sieht. Er läßt seine Hand mitfliegen und guckt nach zwei oder drei Minuten auf das Papier. Das Interessante erschien uns daran, daß hier jemand versucht, mit einem relativ alten Medium, dem Bild, Abläufe eines Films darzustellen und verschiedene Vorgänge dabei auf die Fläche zu bringen. Dies ist eine andere Ebene, sich mit Medien auseinanderzusetzen. Die Ausstellung wird einen Monat im Fernsehstudio des ok zu sehen sein.

DIABOLO:
Welches Ziel steht hinter der gesamten Veranstaltungsreihe?

Dörthe Bührmann:
Wir haben diese Reihe einmal geschichtlich, aber auch gegenwärtig und natürlich zukunftsorientiert ausgelegt. Dem Publikum soll die Chance gegeben werden, zu erkennen, wie sich Medienrealitäten zueinander verhalten und welche Möglichkeiten jeder einzelne hat, damit umzugehen und sich dieser Mittel auch aktiv zu bedienen. Wir haben diese Form einer Veranstaltungsreihe über den Zeitraum eines halben Jahres bewußt gewählt. Es soll über diesen Zeitfaktor auch Zeit und Muße da sein, sich mit Anregungen zu diesen Fragestellungen intensiver auseinandersetzen zu können.

DIABOLO:
Werden die Veranstaltungen im Programm des ok zu sehen sein?

Dörthe Bührmann:
Bis auf eine Ausnahme werden alle Veranstaltungen montags stattfinden und dann dienstags im Rahmen von Sondersendungen im Fernsehprogramm des ok gezeigt.

Alexander Schlichter (September 1999)

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