Zukunft Oldenburg · Das neue Projekt im ok ol
Zukunft Oldenburg · Das neue Projekt im ok ol
Stadtvisionen im Radio und Fernsehen des offenen kanal oldenburg
Zukunft Oldenburg - das neue Projekt im ok ol, bringt Oldenburger Zukunftsplanung in Zusammenarbeit mit der "lokalen Agenda 21" und dem "Stadtleitbild Oldenburg" ins Radio und Fernsehen.
Was ist "Lokale Agenda 21" und "Stadtleitbild Oldenburg"?
Unter Beteiligung der BürgerInnen setzen sich beide Projekte mit der Zukunft dieser Stadt auseinander. In Arbeitsgruppen und Diskussionsforen entwickeln sie für Oldenburg ein sogenanntes Leitbild, das eine Richtung für die Entwicklung Oldenburgs vorgeben soll.
Links
Zukunft im Fernsehen:
Der offene kanal oldenburg plant in Zusammenarbeit mit der `lokalen Agenda 21' und dem `Stadtleitbild Oldenburg' ab sofort ein Zukunftsmagazin. Mit aktuellen, zukunftsweisenden und utopischen Filmbeiträgen, mit Expertengesprächen, Interviews und Diskussionen möchten wir unseren ZuschauerInnen Oldenburger Zukunftsplanung näher bringen. Geplant sind ab Januar 2001 insgesamt 12 Sendungen, die monatlich ausgestrahlt werden, jede mit einem Schwerpunktthema, z.B. Soziales, Verkehr, Medien, Wohnen, Wirtschaft, usw.
Zukunft im Radio:
Ab Januar 2001 wird es im Radio auf 106.5 MHz innerhalb des Mittagsmagazins regelmäßig aktuelle Beiträge zum Thema geben.
Der Countdown läuft - Steigen Sie ein!
Für unsere Zukunftsredaktion suchen wir Interessierte, die das Thema redaktionell und technisch gestalten. Vorkenntnisse inhaltlicher und technischer Art sind nicht erforderlich.
Die Zukunfts- Redaktion trifft sich jeden Mittwoch um 18.30 Uhr im ok ol, Bahnhofstraße 11.
Aber auch danach ist jede/r herzlich willkommen!
AnsprechpartnerIn: Sabine Molitor und Oliver Schaefer
Oldenburg in Zukunft - Wohnen
Literaturhinweise:
Ökologie und urbane Lebensweise: Untersuchungen zu einem anscheinend unauflöslichen Widerspruch. Verfasser: Norbert Gestring, Hartwig Heine, Rüdiger Mantz, Hans Norbert Mayer, Walter Siebel. Braunschweig 1997
Soziologie des Wohnens: Eine Einführung in Wandel und Ausdifferenzierung des Wohnens. Verfasser: Hartmut Häußermann, Walter Siebel. Weinheim 1996
Karl-Heinz Heilig - Filmproduzent und Wohnindividualist
Ein Film über Wohnen: "La Casa delle favole"
nähere Informationen und zu beziehen über:
Karl-Heinz Heilig
Filmproduktion
Quellenweg 83
26129 Oldenburg
fon 0441 - 73456
fax 0441 - 75897
Prof. Dr. Walter Siebel, Der Wandel des Wohnens, Interview vom 19.02.2001
(Wortlaut des Interviews transkribiert von Karin Edith Schütte)
Frage:
Welches sind die Forschungsschwerpunkte der Arbeitsgruppe Stadtforschung?
Prof. Dr. Siebel:
Unsere Arbeitsgruppe gibt es seit über 20 Jahren, finanziert sich ausschließlich aus Drittmitteln, fast ausschließlich von Forschungsförderungsinstitutionen, wie der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der VW-Stiftung, teilweise aber auch von Ministerien. Unser Schwerpunkt sind Stadt- und Regionalforschung, aber auch Wohnungsforschung. Wir haben eine Vielzahl von Projekten gemacht, z. B. über Veränderungen des Wohnens, wir machen gegenwärtig zwei größere Projekte, einmal über neuere Planungsstrategien am Beispiel der Expo 2000 in Hannover und der IB Emscher Park. Ein anderes großes Projekt über die Frage, der Integration von Ausländern. Wir haben über Dienstleistungsgesellschaft gearbeitet, wir haben über Eigenarbeit, Selbsthilfe, informelle Ökonomie gearbeitet. - In 20 Jahren kommt viel zusammen.
Frage:
Wie sieht die Zukunft des Wohnens aus, welche Grundtendenzen des Wandels lassen sich feststellen?
Prof. Dr. Siebel:
Zunächst einmal muß man, wenn man über den Wandel des Wohnens sich Gedanken macht, sagen, so furchtbar viel wird sich gar nicht tun. 95 % der Wohnungen, in denen wir in 20 Jahren leben werden, gibt es schon. Das heißt das Verhalten der Menschen ändert sich, aber das heißt nicht unbedingt, daß die Städte völlig anders aussehen. So schnell kann man Städte nicht umbauen. Das geht ungeheuer langsam.
Was wird sich ändern oder was ändert sich schon seit einiger Zeit? Wir haben ja eine ganz bestimmte Vorstellung von Wohnen und da stellen wir uns vor, Wohnen sei ein Ort der Freizeit, der Erholung, der Privatsphäre. Das ist sicher richtig, aber es ist nur die halbe Wahrheit. Wohnung ist immer auch Ort und Gegenstand von sehr vielfältigen Arbeiten gewesen. Die wichtigste: die Hausarbeit der Frauen. Und wenn man über Wohnen redet als ein Ort der Freizeit vergißt man, daß Wohnen Ort von Arbeit ist. Auch die Hausarbeit von Schülern oder Studenten. Und wenn wir daran denken, daß lebenslanges Lernen ein Thema künftiger Arbeitswelt sein wird, dann wird die Wohnung auch ein Ort lebenslanger berufsbezogener Arbeit, nämlich Bildungsarbeit, sein.
Die Wohnung ist sicher auch ganz wesentlich ein symbolischer Ort. Sage mir, wie du wohnst und ich sage dir, wer du bist. Also man versucht auch, über die Wohnung sich selber darzustellen. Und das wird alles so bleiben, da wird es sich nicht ändern. Die Art und Weise, wie man sich darstellt, die Art und Weise, wie Arbeit in der Wohnung sich vollzieht.
Wenn Sie sich vorstellen, daß Wohnungen heute in Deutschland im Durchschnitt mit Investitionsgütern ausgestattet sind, deren Gegenwert der durchschnittlichen Ausstattung eines industriellen Arbeitsplatzes entspricht. Das heißt, die Hausarbeit heute, mal gar nicht zu reden von Computern und ähnlichem, ist heute eine wirklich kapitalintensive Arbeit geworden. Und das war vor 60 oder 80 Jahren überhaupt nicht. Also sie wird, man kann sagen, professioneller werden. Das hängt damit zusammen, daß Frauen zunehmend ins Beschäftigungssystem integriert werden und deswegen schlicht nicht die Zeit, wahrscheinlich auch nicht unbedingt die Lust haben, die ganze Hausarbeit alleine zu machen. Und deswegen eine Vielzahl von Haushaltsinvestitionsgütern angeschafft werden, um die Hausarbeit leichter erledigen zu können, auch besser erledigen zu können. Vielleicht ist diese Ausstattung mit teilweise ja sehr aufwendigen technischen Geräten auch, auch ein Grund dafür, daß Männer mehr Freude daran haben, sich an der Hausarbeit zu beteiligen, weil sie jetzt eben etwas technischer ist. Also, sie wird Ort der Arbeit sein. Diese Arbeit wird aber ihr Gesicht verändern, sie wird technischer werden, aufwendiger werden. Sie wird sicher auch nicht mehr so ausschließlich - wie das noch bis in die 50er Jahre und 60er Jahre hinein war, Sache nur der Frau sein.
Das heißt aber auch, daß die Grundrisse sich ändern müssen: Wenn Wohnung Ort etwa von berufsbezogener Bildungsarbeit ist, dann wird es noch notwendiger sein, ruhige Räume zu haben, in denen man ungestört von anderen lernen kann. Ob das für Kinder gilt oder für Berufstätige. Wenn die Hausarbeit nicht nur Sache einer Person - überlicherweise der Frau - ist, dann werden diese engen, kleinen Küchen in Zukunft kaum bestand haben werden. Also wir werden sicher - das kann man seit einiger Zeit schon beobachten - die strikte Trennung von Arbeitsraum Küche, Wohn- und Eßraum in der Zukunft nicht mehr haben. Also wieder eine Aktualisierung der klassischen Wohnküche. Die übrigens in den 20er und 30er Jahren von vielen Architekten mit viel Mühe den Leuten erst ausgetrieben worden ist. Und heute bemühen sich die Architekten wieder dazu diese Wohnküche wieder einzuführen, die sie früher einmal als den Anfang allen Elends im Wohnen definiert haben.
Weitere Veränderungen und auch das können wir die letzten 50 Jahre beobachten: Die Wohnungen werden größer werden. Wir haben jetzt im Durchschnitt, im Durchschnitt im Westen 40 m² Wohnfläche pro Kopf. Und es gibt keinen Grund, keine anthropologischen, es gibt allenfalls ökonomische Gründe, an denen die weitere Expansion der Wohnfläche pro Kopf halt machen könnte. Aber es gibt keinen Grund, keine Sättigungsgrenze, weshalb man nicht 80 m² pro Kopf haben sollte. Wir werden sicher auch in der absehbaren Zukunft eine stärkere Polarisierung in der Versorgung mit Wohnungen haben. Also eine Minderheit, die weiterhin am Rand des Wohnungsmarktes versorgt ist, und auf der anderen Seite die integrierte Mittelschicht und Oberschicht, die ihren Wohnflächenkonsum weiter ausdehnen kann. Das heißt die Wohnungsversorgung wird in Zukunft wahrscheinlich nicht gerechter werden, wenn nicht gar ungerechter.
Noch ein Thema ist die außerordentliche Differenzierung der Wohnweisen. Wir haben in den 50er und 60er Jahren zurecht die Meinung gehabt, alle Menschen wohnen in Familien und Familie ist Eltern mit ihren leiblichen Kindern. Das ist eine Wohnform, die in Großstädten heute eine kleine radikale Minderheit ist. Wir haben in Großstädten wie Hamburg oder München, 15 % der Haushalte, die diesem Model noch entsprechen. Das heißt es ist noch stärker: In München wohnen überhaupt nur in 15 % aller Haushalte Kinder, davon ist ein Teil wieder Alleinerziehende. Das heißt 4/5 oder sogar mehr der Großstadthaushalte entsprechen nicht mehr diesem klassischen Model der Zweigenerationen-Familie. Die gibt es natürlich noch, aber sie wohnt außerhalb der Städte, in den Vororten. In den Innenstädten wohnen die sogenannten neuen Haushaltstypen: Alleinerziehende, die berühmten Singles, unverheiratet Zusammenlebende Paaren, kinderlose berufstätige Paare, teilweise auch, was man nennt "living apart together", d. h. man lebt in getrennten Wohnungen aber hat eine auf Dauer gestellte Beziehung zueinander.
Also dahinter eine sich vor allem im Wohnen ausdrückende starke Tendenz nach individueller Autonomie, nach Selbständigkeit, die man immer weniger bereit ist aufzugeben, selbst wenn man eine dauerhafte Beziehung zu einem anderen Menschen hat, man hält daran ... Und ein wichtiger Ausdruck, ich hatte gesagt Symbol, Wohnung ist immer auch Symbol, ein wichtiger Ausdruck dieser eigenen Autonomie ist die eigene Haushaltsführung, die eigene Wohnung. Natürlich auch innerhalb der Wohnung sein eigenes Zimmer zu haben, aber bis hin, daß man seine eigene Wohnung hat. Und deswegen die Zunahme der Singles. Übrigens das sind wieder vor allem Veränderungen, die auf Seiten der Frauen zunächst einmal stattfinden. Frauen ziehen sehr viel früher bei ihren Eltern aus, im durchschnitt 2,5 Jahre früher als Männer. Und man kann sich die Gründe ja leicht klar machen. Das heißt hinter diesen ganzen Veränderungen, der Differenzierung des Wohnens, der Ausweitung der Wohnfläche usw. steht der Wunsch nach Autonomie und der wird vor allem getragen durch die Veränderung der Rolle der Frau. Die wiederum vor allem die Integration der Frauen ins Berufsleben ist, das heißt die ökonomische Selbständigkeit, die überhaupt die Voraussetzung dafür ist, daß Frauen auch als Single etwa leben können.
Frage:
Wie verändert sich das Verhältnis zwischen Privatsphäre und Öffentlichkeit?
Prof. Dr. Siebel:
Und auch das ist ein ganz alter Trend: Wir können Veränderungen des Wohnens einmal beschreiben - wie wir eben darüber gesprochen haben - wie verändert sich eigentlich die Gruppe, die zusammen wohnt? Da können wir sagen, die wird immer kleiner. Bis dahin, daß man eben alleine wohnt. Wer wohnt eigentlich mit wem zusammen?
Das zweite ist: Was geschieht in einer Wohnung? Was heißt denn Wohnen? Da hatten wir eben davon gesprochen, es hat immer auch Arbeit gehießen. Aber einer der zentralen Trends, der historischen Trends, der Veränderung des Wohnens ist die Auslagerung von Arbeit aus der Wohnung. Wenn wir an einen bäuerischen Haushalt im Mittelalter denken, da war Wohnung auch beim Handwerker, Wohnung war Ort der Produktion. Und erst im 19. Jahrhundert beginnt diese Trennung von Wohnen und Arbeiten. Es werden Berufstätigkeiten aus dem Haus heraus verlagert und am besonderen Ort, etwa im Betrieb, in der Fabrik, im Geschäft organisiert. Das gleiche geschieht mit der Infrastruktur. Was heißt es denn, wenn ich eine städtische Wasserversorgung habe. Ich habe nicht mehr den Brunnen an meinem Haus, an dem ich Wasser hole. Wenn ich eine Zentralheizung, eine Fernwärmeheizung habe. Ich habe keine Öfen in jedem Zimmer, die ich heizen muß.
Das heißt es wird Arbeit an die technische Infrastruktur der Stadt heraus verlagert. Wir können die ganze Entwicklung der technischen und der sozialen Infrastrukturen (Kindergärten, Kinderkrippen, Krankenhäuser, Pflegeheime) sind ja alles Infrastrukturen, die Funktionen übernehmen, die ursprünglich von der Familie innerhalb des Hauses bzw. der Wohnung erledigt worden sind. Also, die Entwicklung der modernen Infrastruktur ist zu begreifen als eine Auslagerung von Arbeit aus der Wohnung. Genauso wie die Entwicklung des modernen Betriebs zu begreifen ist, als eine Auslagerung von Arbeit aus dem Zusammenhang des Wohnens. Wir können jetzt - und wie gesagt vieles ist dringeblieben: die klassische Hausarbeit der Frau - Wir können jetzt Tendenzen einer gewissen Rückverlagerung von Arbeit feststellen, im Bildungsbereich, teilweise auch mit neuer Heimarbeit, mit der Computerausstattung von Wohnungen werden ja auch berufsbezogene Tätigkeiten wieder in die Wohnung integriert, aber eines wird sicher nicht passieren, daß die Wohnung oder das Haus wieder eine so autarke Einheit werden, unabhängig von den Infrastrukturen, den Märkten, den ganzen Versorgungssystemen moderner Gesellschaften. Sie werden angereichert mit Arbeit. Aber diese ganz enge Einbindung der Wohnung in Gesellschaft, in Infrastrukturen, ihre ... das Wohnen gar nicht mehr möglich ist ohne diese Einbindung in das, was etwa Stadt ist, was Märkte sind,... diese Tendenz wird weiter anhalten, das heißt eine engere Verflechtung zwischen Wohnen und dem was außerhalb der Wohnung, in der Gesellschaft passiert.
Frage:
Welche ökonomischen und ökologischen Folgen ergeben sich daraus für die für Wohnungspolitik? Was sind die Konsequenzen für die Stadtplanung?
Prof. Dr. Siebel:
Das erste ist, selbst wenn die Bevölkerung schrumpft - Oldenburg ist glaube ich die einzige Großstadt, die noch wachsende Einwohnerzahlen hat - alle anderen Städte haben Einwohnerverluste. Trotzdem wird die Nachfrage nach mehr Wohnfläche pro Kopf zur Folge haben, daß auch in Zukunft weiter neue Wohnungen, mehr Wohnungen gebaut werden, größere Wohnungen. Wie gesagt da gibt es außer ökonomischen Restriktionen, keine absehbaren Grenzen. Also: Wohnungsneubau.
Zweitens: Die Differenzierung der Haushaltstypen, die Differenzierung der Lebensstile und der Wohnweisen werden es nicht einfacher für die Wohnungspolitik machen, die Wohnverhaltensweisen und die Wohnbedürfnisse mit adäquaten Wohnungen zu befriedigen. Wahrscheinlich führt es dazu, daß Wohnungen neutraler werden müssen. Gerade nicht noch spezialisierter an bestimmte Bedürfnisse angepaßt, weil - wenn Menschen mobil sind - man ja nicht erwarten kann, daß jemand, der mit 20 in eine Wohnung zieht noch mit 80 dort drin Wohnen wird. Und sein Nachfolger in der selben Wohnung hat vielleicht ganz andere Wohnweisen und Verhaltensweisen als der Erstbewohner. Eine Wohnung, die eine Lebensdauer von 100 Jahren hat, wird in dieser Lebensdauer vielleicht 10 verschiedene Haushalte beherbergen müssen - mit sehr unterschiedlichen Verhaltensweisen. Und eine auf ganz spezielle Wohnformen zugeschnittene Wohnung wird dann bei den übrigen neun Haushalten nicht besonders angenehm zu bewohnen sein.
Also: neutralere Grundrisse und hierarchiefreiere Grundrisse als das Erste. Und zweitens größere Wohnungen. Je größer eine Wohnung, desto leichter ist sie anzupassen an unterschiedliche Wohnunweisen. Warum sind die Wohnungen etwa hier im Dobbenviertel, die um 1900 gebaut worden sind, so attraktiv. Nicht nur wegen des Standortes, nicht nur wegen der Architektur, sondern auch schlicht, weil sie relativ groß sind. Und weil sie relativ neutrale Grundrisse haben. Anders als der soziale Wohnungsbau in den 50er und 60er Jahren mit seinem großen Wohnzimmer und seiner ganz kleinen Arbeitsküche und den kleinen Schlafzimmern. Große Wohnungen wie im Dobbenviertel sind etwa von Wohngemeinschaften genauso gut zu bewohnen, wie von zwei Erwachsenen, die keine Kinder haben, wie von einer Familie mit Kindern. Also: neutralere Grundrisse. Sicher auch möglichst ein Überangebot an Wohnungen, so daß man auf dem Wohnungsmarkt die seinen Bedürfnissen entsprechende Wohnung leichter finden kann als unter Bedingungen der Knappheit.
Das heißt, wir organisieren unser Leben schon längst regional. Und folglich werden auch die Städte als die Einheit des Alltags ihrer Bewohner nicht mehr in den kommunalen Grenzen sich definieren, sondern regional. Und es gibt - wie gesagt - auch ökologische Argumente, dafür, daß eine regionale Dekonzentration von Stadt durchaus auch unter ökologischen Gesichtspunkten positiv ist. Zweite Veränderung: Wir hatten zu Anfang darüber gesprochen, daß Wohnen im allgemeinen Bewußtsein ein Ort von Freizeit und Erholung von verpflichtungsfreiem Tun, in der Wohnung zieh ich meine Pantoffeln an und laß mich gehen, ich habe keine wichtigen Verantwortungen, keine Arbeitsverpflichtungen. Das war immer eine Illusion. Hausfrauen wissen das und Schüller, die zu Hause Hausarbeiten machen müssen, wissen das auch. Ökologie wird vielleicht heißen, daß sich das auch ändert. Wenn sie nicht mehr mit bestimmten Chemikalien ihre Wohnung reinigen müssen, werden sie mehr Arbeit mit der Reinigung der Wohnung haben. Wenn sie Solarzellen auf dem Dach haben, werden sie mehr Arbeit mit der Pflege dieser Technik haben. Wenn sie eine Pflanzenkläranlage zur Bewältigung ihrer Abwässer haben, müssen sie außerordentlich bewußt, verantwortungsbewußt damit umgehen, was sie in ihren Ausguß hinein schütten und was nicht.
Und sie müssen diese Kläranlage pflegen. Wenn sie Komposttoiletten haben, dann werden sie auch andere hygienische Standards möglicherweise in Zukunft haben. Also Ökologie kann heißen - in gewissen Grenzen - daß unsere Vorstellungen von Wohnen als Erholungsort und verpflichtungsfreiem Tun sich auch ändern. Das simple Beispiel des Mülltrennsystems verlangt von jedem, daß er sehr bewußt mit seinen Abfällen umgeht und sehr diszipliniert darauf achtet, daß diese kleine Batterie nun nicht gerade in die Biotonne kommt. Und die Eltern, wenn nun das Kind sie doch hineingeschmissen hat, sie müßten dann hingehen und sie aus dem Dreck wieder herausklauben. Das sind nun gerade Tätigkeiten, die wir nicht mit unserem herkömmlichen Begriff von Wohnen verknüpfen. Da denken wir Wohnen ist entlastet, wir werden mit Wärme versorgt, mit Strom, mit Wasser, wir müssen keine Kartoffeln anpflanzen, wir müssen kein Wasser am Brunnen holen, Wohnen ist verpflichtungsfreies Tun, genau das wird möglicherweise in einer wirklich ökologischen Lebensweise nicht mehr der Fall sein. Also auch da wird Wohnen wieder Arbeit und Verantwortung zum Thema haben.






